11.12.2019

Kirbachtal-Allee wächst: Touristisches Highlight und Leuchtturmprojekt

Zuwachs für die Kirbachtal-Allee: Entlang der Landesstraße L1110, die von Sachsenheim ins Kirchbachtal führt, wurden am Nikolaustag an verschiedenen Stellen insgesamt 26 neue Speierlinge gepflanzt. Die Pflanzaktion initiiert hat Dr. Markus Rösler, Sprecher des NABU-Bundesfachausschuss Streuobst, gemeinsam mit der Stadt Sachsenheim und Fabian Köstlin vom Sachsenheimer Streuobstprojekt.

„Die Aktion ist ein landesweites Leuchtturmprojekt: Trotz gesetzlichem Schutz sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten zahlreiche Alleebäume im Land Baden-Württemberg Stück für Stück gerodet und oft nicht nachgepflanzt worden. Dem setzen wir gemeinsam ein positives Zeichen für Landschaft und Heimat, Tourismus, Obstbau und Naturschutz entgegen", so Rösler.

Sachsenheims Bürgermeister Holger Albrich freut sich darüber, „dass wir dieser früher charakteristischen und mehrere Kilometer langen Allee, die unsere Stadtteile miteinander verbindet, wieder neues Leben einhauchen“. Mitarbeiter der Stadt hatten die Pflanzaktion gemeinsam mit dem Streuobstprojekt Sachsenheim und dem NABU innerhalb weniger Monate praktisch vorbereitet. „Sachsenheim soll so grün wie möglich werden“, sagt Albrich.

Einst war es eine fast durchgehende Allee, die Hohenhaslach, Ochsenbach mit dem Kirbachhof, Spielberg und Häfnerhaslach miteinander verbunden hat. „Die Allee entlang der Landesstraße ist in weiten Teilen leider kaum mehr als solche erkennbar, durch Alter und Mistelbefall existenziell gefährdet. Jetzt soll und wird sie mit dieser und weiteren Pflanzungen wieder attraktiv und landschaftsprägend sein“, sagt Köstlin als Vertreter des Sachsenheimer Streuobstprojekts.

"Mit den Speierlingen machen wir einen ersten Schritt zur Wiederbelebung dieser Allee. Damit setzen wir auch § 31 des Landesnaturschutzgesetzes um, das uns zur Erhaltung von Alleen im Land verpflichtet“, erklärt Rösler, der sich beruflich seit 2011 als Landtagsabgeordneter der Grünen auch für Erhaltung, Pflanzung, Pflege, Schutz und Vermarktung von Streuobst einsetzt.

Die gepflanzten Speierlinge sind verwandt mit Vogelbeere, Mehlbeere und Elsbeere und die Früchte können Beimischung für Most und für Obstbrand verwendet werden. „Speierlinge wachsen langsam. Daher haben wir uns für über zwei Meter hohe Bäume samt Wurzelballen entschieden - das ist eine Investition von rund 4.000 Euro für den NABU, die wir gerne tätigen, denn neben den Streuobstbewirtschaftern haben auch Baumschulen für gute Ware faire Preise verdient", so Rösler, der auch Initiator des Streuobst-Schorle-Projektes bei der Firma Ensinger ist, wo seit 2010 garantiert 20 Euro für 100 kg Hochstamm-Obst bezahlt wird.

Gemeinsam mit Landrat Dr. Rainer Haas wurden „Am Melkerwäldle“ zwischen Hohenhaslach und Ochsenbach sieben Speierlinge gepflanzt. In der Nähe des „Spielberger Bahnhöfles" kamen weitere acht der insgesamt 26 Speierlinge in die Erde.

Der Landkreis Ludwigsburg war im Jahr 1981 die erste öffentliche Einrichtung in ganz Deutschland, die öffentliche Gelder für die Anpflanzung von Hochstamm-Obstbäumen ausgegeben hat. Damit stand er nach den bis 1974 andauernden Förderungen der EU zur Rodung von Hochstamm-Obstbäumen für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit den Streuobstbeständen. Im Kreis Ludwigsburg gibt es knapp 400.000 der landesweit ca. neun Millionen Obsthochstämme. Das entspricht Streuobstwiesen auf rund sechs Prozent oder 4.000 Hektar der Kreisfläche, davon stehen rund drei Viertel unter Landschaftsschutz. Landesweit gibt es ca. 120.000 Hektar Streuobstbestände, bundesweit nach Angaben des NABU ca. 300.000 Hektar.

„Unsere Streuobstwiesen gehören als traditionelle, prägende und unverzichtbare Bestandteile des europäischen Naturerbes zu unserer Kulturlandschaft und sind daher unbedingt zu erhalten und zu entwickeln. Ich freue mich sehr, dass wir im Kirbachtal die Gelegenheit haben, mit den Nachpflanzungen der Obstbäume entlang der Straße das Landschaftsbild neben Wein und Wald zu komplettieren“, sagt Rösler.

Mit Hand angelegt haben auch Martin Buck vom NABU Sachsenheim, Vertreter der örtlichen Obst- und Gartenbauvereine sowie der Spielberger Ortschaftrat Daniel Ott, der gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Stierle sowie Köstlin und Rösler die Idee dieses Projektes entwickelte. Die Kirbachtal-Allee soll in Zukunft wieder aufblühen und durch weitere Nachpflanzungen in ihrem Bestand gesichert werden, sind sich alle Beteiligten einig.

 

 

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