19.12.2019

Grüne schaffen Unterstützungsangebote für Schäfereien

Ihre Arbeit ist eine jahrhundertealte Tradition, die Herdenhaltung in freier Natur zählt zu den letzten artgerechten Formen von Tierhaltung in Mitteleuropa. Schäfer pflegen wertvolle Biotope, fördern die Artenvielfalt und gelten als Unterstützer von Natur und Landwirtschaft. Schäfchen zählen ist jedoch längst kein romantischer Beruf mehr. Vielerorts stehen Hirten aus ökonomischen Gründen vor dem Aus.

Die Grüne Fraktion konnte nun für die Schäferinnen und Schäfer bei den Verhandlungen zum Doppelhaushalt einen wichtigen Erfolg verzeichnen: Die grün-geführte Koalition wird mit Landesgeld in zwei Schwerpunktregionen im Land die vorhandene Infrastruktur erheben und systematisch analysieren. In einem zweiten Schritt soll dann die fehlende Infrastruktur aufgebaut werden. Darüber hinaus sollen spezifische Informationen und Hilfestellungen an die Schäfereien gehen, um diese optimal zu unterstützen. Jährlich stehen für dieses Projekt Mittel in Höhe eine Million Euro zur Verfügung.

Internationale Schlüsselrolle als Vermittler

Im Rahmen des Projekts wird ein Schwerpunkt auf die Vermittlung zwischen Schäfern, Naturschutz, Landwirten, Landschaftserhaltungsverbänden, Gastwirtschaften, Behörden und Kommunen gelegt. „Ich freue mich, dass die geplanten Aktivitäten in zwei Schwerpunktregionen gebündelt werden, die von der Wanderschäferei stark geprägt ist“, sagt der naturschutzpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Dr. Markus Rösler.

„Hier geht es sowohl um eine finanzielle Würdigung von Schäfern als auch um Kooperation sowie gesellschaftliche Anerkennung für einen vom Aussterben bedrohten Beruf. Es ist wichtig, die richtigen Kommunikationskanäle zwischen den Akteuren zu legen und Wissen untereinander zu vermitteln“ so Rösler weiter. 

„Unser Ziel ist es, naturverträgliche Schäferei zu unterstützen und die Kulturlandschaft im Land Baden-Württemberg mit ihrer hohen Artenvielfalt auch in Zukunft zu erhalten und zu entwickeln. Mit dem Projekt „Kulturlandschaft braucht Schäfer“ ist ein wichtiger Grundstein dafür gelegt.“

Das Projekt wird seinen Beratungsschwerpunkt auf die traditionellen Schäferreviere konzentrieren. Hier sollen Schäferrevierkonzepte erstellt, Anträge für Infrastrukturmaßnahmen gebündelt und geprüft werden. Im Rahmen des Projekts sollen auch Angebote für Seminare und Fortbildungen für verschiedene Akteure schaffen – von Schäfern, Kommunen bis zu Landschaftserhaltungsverbänden.

Schafherden sind ein Tourismusfaktor

Rösler hebt die ökologische und zugleich ökonomische Bedeutung der Schäfer hervor: „Schafe auf der Weide grasen zu lassen, ist der wirtschaftlichste Weg, diese Fläche offen zu halten. Ohne Schäfer hätten wir Mehrkosten in Millionenhöhe, wenn wir Wacholderheiden und Trockenrasen erhalten wollen.“

Schafe tragen Samen und Kleinlebewesen von einem Ort zum nächsten. Durch ihren Tritt entstehen offene Bodenstellen, auf denen Pflanzen gedeihen können. „Gleichzeitig sind Schafherden ein Faktor für den Tourismus: Sie vermitteln ein Bild von heiler Natur und erhalten so das ländlich-geprägte Baden-Württemberg“, sagt Rösler.

Alle Bemühungen für die Schäferei seien jedoch erfolglos, solange die Verbraucher nicht bereit seien, deutlich mehr als bisher für regionale, naturnah erzeugte Lebensmittel zu bezahlen. Rösler: „Wenn schon Fleisch, dann Grünlandfleisch - und zwar regional und nicht vom anderen Ende der Welt“, fordert Rösler, der auf die klimaschädlichen Folgen von Schaffleisch aus Neuseeland genauso wie Rindfleisch aus Argentinien hinweist. Und weiter: „Wer die Forderungen zum Klimaschutz ernst nimmt, sollte sich klar zu ‚Regional ist erste Wahl‘ bekennen. Nicht nur mit Worten, sondern beim Einkauf - und dafür auch ein paar Euro mehr bezahlen.“

 

 

 

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