12.07.2019

Grüne rufen in Schwieberdingen zur Wahl auf

Am 14. Juli 2019 sind die Schwieberdinger*innen erstmals dazu aufgerufen, ihre Stimme bei einem Bürgerentscheid abzugeben. Rund 9.000 Bürgerinnen und Bürger entscheiden darüber, ob auf dem Gebiet zwischen ICE-Bahntrasse und Bosch-Areal, ein „Regionaler Gewerbeschwerpunkt“ entstehen soll oder nicht.

Mit einem gemeinsamen Bekenntnis für die Freihaltung dieser Flächen anstelle eines Gewerbegebietes wenden sich die Grünen Mandatsträger*innen aus Landtag, Regionalversammlung, Kreistag und Gemeinderat an die Wahlberechtigten vor Ort: „Auch wenn die EU- und Kommunalwahl noch nicht lange zurückliegt: Wir rufen alle Stimmberechtigten dazu auf, am kommenden Sonntag noch einmal ins Wahllokal zu gehen. Diesmal geht es ganz konkret um die Zukunft ihrer Gemeinde“, so die Grünen Mandatsträger*innen.

„Wir wünschen uns eine Zukunft für Schwieberdingen, in der Stadtbahn und ÖPNV, Bildung und Forschung, Klimaschutz und Naturschutz eine zentrale Rolle spielen. Dazu benötigen wir keinen Gewerbeschwerpunkt“, sagen Monika Birkhold, Brigitte Heck und Monika Leder als Schwieberdinger Gemeinderätinnen. „Für uns steht der immense Flächenverbrauch von rund 23 Hektar in keinem Verhältnis zu den erhofften Gewerbesteuer-Einnahmen für Schwieberdingen, mit denen die Befürworter*innen argumentieren. Auch die überschaubare Anzahl neuer Arbeitsplätze, die wohl wieder an der Automobilindustrie hängen sollen, rechtfertigt für uns weder den massiven Eingriff ins Landschaftsbild des Strohgäus noch die Investitionen der Gemeinde“, so die drei Gemeinderätinnen.

Brigitte Muras, die aus Möglingen stammende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, verweist auf die Schutzwürdigkeit des Geländes: „Wir möchten nicht, dass weitere Flächen im Strohgäu versiegelt werden. Erst 2018 sind wir als Kreis Ludwigsburg gemeinsam mit der Stadt Stuttgart zur Bio-Musterregion ernannt worden. Wir möchten uns daher dafür einsetzen, auf diesen außergewöhnlich guten Ackerböden künftig vermehrt auf Bio-Anbau zu setzen. Wenn wir diese Flächen verbauen und asphaltieren, konterkarieren wir diese Bestrebungen und auch den Wunsch einer breiten Mehrheit in unserer Gesellschaft, nach mehr regionalen und biologisch erzeugten Produkten und Lebensmitteln. Zudem geht es auch um natürliche Bodenfunktionen wie Grundwasserneubildung und Versickerungsflächen“, erklärt Muras.

Die aus dem Kreis Ludwigsburg stammenden Mitglieder der künftigen Regionalversammlung der Region Stuttgart Dr. Cleo Becker und Leo Buchholz verweisen auf die mangelnde Zukunftsfähigkeit des Projektes: „Wer Klima-, Arten- und Naturschutz ernst meint, kann nicht für den „Regionalen Gewerbeschwerpunkt“ stimmen. Seit Monaten wird bei den Fridays for Future-Demonstrationen auch im Kreis Ludwigsburg deutlich, dass vor allem eine Vielzahl junger Leute ein Umdenken von Wirtschaft und Politik einfordert. Zu Recht! Auch die EU- und die Kommunalwahlen haben diese Trendwende unterstrichen: Die Wähler*innen haben grün gewählt, weil sie einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen wollen. Dazu gehört es jetzt, in Schwieberdingen mit „NEIN“ abzustimmen und nicht in alte Muster zu verfallen. Noch mehr Beton in heißen Sommern ist keine Option – auch nicht für die Wirtschaftsregion Stuttgart. Gerade wir müssen zeigen, dass und wie es anders geht“, so die Regionalrätin und der Regionalrat.

Auch die drei Grünen Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Ludwigsburg haben eine Vision für die Strohgäu-Gemeinde: Für Dr. Markus Rösler, Daniel Renkonen und Jürgen Walter spielt die Reaktivierung der Schienenstrecke von Ludwigsburg nach Schwieberdingen eine wichtige Rolle. „Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz im Sinne der Beschäftigten und der Bevölkerung in Schwieberdingen und dafür setzen wir uns intensiv ein“, so Renkonen. Nicht zukunftsfähig hingegen sei eine Güterproduktion oder ein Logistikstandort ohne Schienenanschluss, wie es beim zur Abstimmung stehenden „Regionalen Gewerbeschwerpunkt“ vorgesehen ist: „Mindestens zusätzliche 35 LKWs pro Stunde würden die Straßen in Schwieberdingen und auf der B10 noch weiter verstopfen und Lärm zu Lasten der Lebensqualität erzeugen. Davon haben Schwieberdingen, die B10 und die umliegenden Kommunen wirklich schon mehr als genug“, fasst Rösler zusammen. Bereits bei den Podiumsdiskussionen der LKZ und der StZ/StN hatte der Abgeordnete des Wahlkreises Vaihingen/Enz sich gegen den Gewerbeschwerpunkt ausgesprochen.

Bedanken möchten sich die Grünen Mandatsträger*innen bei allen ehrenamtlich Engagierten vor Ort, die im Vorfeld der Abstimmung zur Meinungsbildung in Schwieberdingen beigetragen haben. Insbesondere bei der „Initiative Lebenswertes Strohgäu“, die sich eigens dafür gegründet hat, um die Bürger*innen mit Informationen rund um das zur Abstimmung stehende Gebiet zu versorgen.

Des Weiteren haben sich auch der BUND, der NABU Schwieberdingen-Hemmingen sowie die Schwieberdinger Gemeinderatsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und der Aktiven Bürgergemeinschaft Schwieberdingen e.V. (ABG) in der öffentlichen Debatte für den Erhalt der Kulturlandschaft stark gemacht. Weitere Informationen über die Positionen: www.lebenswertes-strohgaeu.de und www.abg-schwieberdingen.de/gemeinderat-gewerbeschwerpunkt2/.

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