28.09.2020

Gewinnmaximierung kontra Kulturdenkmal in der Vaihinger Innenstadt

Das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg hat im Juli des Jahres dem Abgeordneten Markus Rösler mitgeteilt, dass eine Wirtschaftlichkeitsberechnung die Grundlage für die Entscheidung über Erhalt oder Abriss der Stallscheune ist. Hierzu stellt das Aktionsbündnis denkmalrechtliche Grundsatzfragen: Kann und darf es sein, dass ein wirtschaftlich sanierungsfähiges und praktisch vielfältig nutzbares Kulturdenkmal vom Eigentümer „abrissreif“ kalkuliert wird? Insbesondere dann, wenn er mit dem Gesamtareal definitiv Geld verdienen kann? Hier stellen sich wirtschaftliche, politische und nicht zuletzt moralische Fragen. Darüber kommt die Initiative Stallscheune am 28. September 2020 um 10.30 Uhr mit Barbara Saebel, der Grünen Abgeordneten und Sprecherin für Denkmalschutz und Kulturliegenschaften sowie mit dem hiesigen Abgeordneten Markus Rösler und Vertretern der Presse ins Gespräch.

Erhalt von Kulturdenkmälern ist keine Willkür Dem Aktionsbündnis ist wichtig, der Öffentlichkeit und den Entscheidungsträgern in Verwaltung und Politik deutlich zu machen: „Der Erhalt der stadtbildprägenden Stallscheune ist nicht das nette Hobby von linksökologischen, bürgerbewegten und geschichtsinteressierten Vaihingern, sondern hat eine Vorbildfunktion für die Bewahrung der historischen Altstadt von Vaihingen“, sagt Reinhard Wahl von der Vaihinger Gesellschaft für Stadtgeschichte. Und Ingeborg Braun-Frederick, Stadträtin der Bürger bewegen Vaihingen, BbV, ergänzt: „Wenn selbst der wirtschaftlich leistungsfähigen Wohnbau Oberriexingen AG der Abriss eines Kulturdenkmals allein aus wirtschaftlichen Gründen erlaubt würde – wem könnte er dann von Seiten der Denkmalbehörden noch ernsthaft verweigert werden?“ Diese provokante Fragestellung lässt bewusst außen vor, zu welchem Ergebnis die Wirtschaftlichkeitsberechnung kommt. Aber die langfristigen Auswirkungen auf die Vaihinger Altstadt könnten verheerend sein.

Rösler unterstreicht das Anliegen des Aktionsbündnisses: „Für Vaihingen wäre es ein Gewinn, wenn das Kulturdenkmal erhalten und wieder mit Leben gefüllt werden könnte. Die Argumente zur Wertigkeit der Stallscheune und des Bauten-Ensembles, die die überparteiliche Initiative vorbringt und die ich unterstütze, werden vom Landesamt für Denkmalpflege in vollem Umfang mitgetragen – so hat es mir Regierungspräsident Wolfgang Reimer schriftlich bestätigt. Daher bin ich zuversichtlich und freue mich, wenn Aktionsbündnis, Obere Denkmalbehörde, wir Landespolitiker/innen und die Stadt weiterhin an einem Strang ziehen, um die Scheune zu bewahren“.

Saebel ergänzt: "Jedes weiter genutzte Denkmal spart Abriss-, Deponie- und Rohstoffkosten, dieser Umweltgesichtspunkt ergänzt den hohen kulturellen Wert von erhaltenen Denkmalen. Ob in diesem Einzelfall die Wirtschaftlichkeitsberechnung des Eigentümers stichhaltig und rechtskonform ist, zeigt sich im Prüfverfahren der Denkmalämter".

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