11.01.2019

Alternatives (Wärme-)Quartier mitten in Vaihingen?

Vorbildliche Energieverteilung: Die Firma Wennberg, zeitweise Europas drittgrößte Großbuchbinderei, tummelt sich erfolgreich im Energie-Wärme"markt": Tausende von Holzpaletten werden geschreddert, entnagelt und dann zu Wärme verheizt. Damit werden nicht nur die sechs Arbeitshallen und Bürogebäude beheizt, sondern auch die nebenan liegende Firma Kienle & Spieß und zudem die Waldorfschule samt neuer Halle. Weitere Anlieger könnten zudem versorgt werden. Damit gibt’s dort dezentrale Energieerzeugung: Ein Grundgedanke grüner Energiepolitik wird damit umgesetzt - danke!

"Es ist bemerkenswert, dass die Firma Wennberg mit ihrer Hackschnitzelanlage und dem Block-Heizkraftwerk jährlich 64.000 Kilowattstunden einspart und damit nicht nur die eigenen Produktions- und Büroräume im Vaihinger Gewerbegebiet Fuchsloch beheizt, sondern auch die benachbarte Firma Kienle und Spiess und die Walddorfschule mit Wärme versorgt", sagt Dr. Markus Rösler (GRÜNE). Gemeinsam mit Armin Knust und Anna Weber aus dem Vorstand des Waldorfschule und -kindergartenvereins sowie Lehrerin Ruth Beukman und Gemeinderat Wilfried Breit hat sich der Vaihinger Landtagsabgeordnete das Nahwärmenetz der Großbuchbinderei Wennberg angeschaut.

In dem Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern werden jährlich etwa 120 Millionen Zeitschriften und Kataloge gebunden. Allerdings, so erklärt Geschäftsführer Martin Wennberg, stellt die Digitalisierung für die Papierbranche eine große Herausforderung dar. „Was früher an jedem Bahnhof in gedruckter Form ausgelegen hat, kann die Bahn-App heute besser. Was früher der Shell-Atlas in jedem Auto übernommen hat, machen heute Navigationssysteme bzw. Smartphones“, schildert Wennberg. "Reiseführer, Telefonbücher, Kataloge von IKEA oder Peter Hahn und Zeitschriften wie Elle, Playboy oder Freundin, die in den Hallen in Vaihingen vom Band gehen, haben in Zeiten des digitalen Wandels natürlich große Konkurrenz", stellt Rösler fest.

Darauf musste und muss sich die Großbuchbinderei einstellen. Umso wertvoller ist der Weitblick, den Wennberg bereits vor zehn Jahren bewiesen hat, indem er den täglich anfallenden Müll reduziert und daraus auch noch Energie gewonnen hat. Welchen Abfall hat eine Großbuchbinderei? Tonnenweise Papier, in Spitzenzeiten bis zu 10.000 Tonnen pro Jahr, außerdem Plastik, etwas Metall und viel Holz. Vor allem die Einweg-Paletten, auf denen die Ware angeliefert wird, umfassen ein Volumen von rund 120 Tonnen. Da ist die Verwertung direkt im Hause eine optimale und kostengünstige Lösung.

Weil immer noch Holz übrig war, wurde 2012 ein Nahwärmenetz aufgebaut und die Firma Kienle und Spiess in der Nachbarschaft mit Wärme versorgt. Die Waldorfschule wird inzwischen CO2-neutral beheizt und auch die Altbauten und das Warmwasser in der Sporthalle und der Großküche werden mithilfe der Hackschnitzel beheizt. Weitere Anlieger könnten zudem versorgt werden, sicher wird das Quartierskonzept perspektivisch noch erweitert. „Schließlich zahlt sich das Engagement der doppelt aus: Die Ersparnisse für das Unternehmen sind gleichzeitig ein Beitrag für den Klimaschutz“, freut sich Rösler.

Deshalb wurde die Firma Wennberg für das Projekt auch schon mit dem Gipfelstürmer-Award des Netzwerks regionaler Kompetenz-Stellen Energieeffizienz (KEFF) ausgezeichnet (die VKZ berichtete darüber am 7.11.2018: www.vkz.de/lokales/vaihingen/mit-energieeffizienz-an-den-gipfel/). 

URL:http://markusroesler.de/startseite/start-single/article/alternatives_waerme_quartier_mitten_in_vaihingen/