28.05.2021

33 verschiedene Vogelarten in Ensingen, 83 im Kreis Ludwigsburg

Seltener Vogel in Ensingen: Der stark gefährdete Hänfling. Foto: Frank Delpho/NABU

33 verschiedene Vogelarten beobachtete der Grüne Landtagsabgeordnete Dr. Markus Rösler im Rahmen von drei Begehungen rund um seinen Garten in Vaihingen-Ensingen bei der diesjährigen NABU-Aktion "Stunde der Gartenvögel". Das sind rund 40 Prozent der im Kreis Ludwigsburg beobachteten 83 Arten.

Die bundesweite Aktion des NABU fand vom 13. bis 16. Mai 2021 zum 17. Mal seit 2005 statt. Trotz schlechtem Wetter blieben viele Vogelfans der „Stunde der Gartenvögel“ auch im Landkreis Ludwigsburg treu: Im Kreis wurden in 520 Gärten bei 746 Begehungen insgesamt 14.129 Vögel gezählt - 150 davon von Rösler auf insgesamt drei Beobachtungsrunden. In Baden-Württemberg wurden in 9.989 Gärten von knapp 15.000 Beobachtern fast 315.000 Vögel gezählt. Bundesweit meldeten 125.000 Beobachter rund 2,8 Mio. Vögel aus 85.000 Gärten.

Die größte Seltenheit waren nach Angaben Röslers seine zwei Beobachtungen von Hänflingen. „Die sind bundesweit als „stark gefährdet“ eingestuft, also in Kategorie 2 auf der Roten Liste der Brutvögel Baden-Württembergs eingruppiert. Immerhin gab es aber insgesamt 16 im Kreis Ludwigsburg beobachtete Hänflinge", so Rösler, der Ornithologe seit Kindesbeinen und früherer Vogelwart und Mitarbeiter der Vogelwarte Helgoland ist.

„Hänflinge sind wie viele Agrarvögel die letzten Jahrzehnte sehr stark zurückgegangen. Mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz haben wir 2020 einen wichtigen Meilenstein gesetzt, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken: Wir wollen und werden den Biotopverbund und Streuobstwiesen stärken und neu anlegen und den Pestizideinsatz für Insektenfresser wie Hänflinge reduzieren. Davon profitieren auch weitere von mir beobachteten Arten wie Goldammer und Feldlerche, die beide als „gefährdet“ gelten, also in Kategorie 3 auf der Roten Liste der Brutvögel Baden-Württemberg stehen. Wobei Goldammern im Kreis Ludwigsburg immerhin 68, Feldlerchen nur sieben beobachtet wurden. Nicht jeder hat allerdings wie ich den Acker gleich hinterm Haus, wo Feldlerchen bei naturverträglicher Nutzung brüten", weiß Rösler.

„Kreisweit betrachtet waren die größten Besonderheiten Nachtigall und Klappergrasmücke. Denn Nachtigallen wurden nur drei nachgewiesen, bei der Klappergrasmücke in den Hecken auf der Feldflur hinterm Garten konnte ich den einzigen Nachweis für den ganzen Kreis Ludwigsburg erbringen“, so der naturschutzpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, der auch künftig für die Fraktion im Umweltausschuss aktiv sein wird.

„Erfreulich ist die große Anzahl von Rauchschwalben, die ich beobachten konnte, teils bis zu zehn Exemplare gleichzeitig. Das zeigt, dass wir in Ensingen noch Landwirtschaftsbetriebe mit offenen Ställen und damit offenen Herzen für diese inzwischen auch auf der Roten Liste stehende Vogelart haben", freut sich demnach eigenen Angaben "Vogel- und Bauernfreund" Rösler. 

Mit Spannung erwartet wurden die Zählergebnisse der Blaumeise: „Im Frühjahr 2020 hatte ein bakterieller Erreger in vielen Teilen Deutschlands zu einem Massensterben der kleinen Meise mit dem blauen Kopf geführt“, erklärt Rösler. Offensichtlich habe sich die Blaumeise vom Einbruch im vergangenen Jahr gut erholt, auch wenn sie ihren normalen Durchschnittswert wohl nicht ganz erreichen wird. Eine Welle verstorbener Blaumeisen war zwar auch in diesem Frühjahr wieder festzustellen, sie war jedoch deutlich kleiner. „814 Blaumeisen wurden 2020 im Kreis Ludwigsburg beobachtet, dieses Jahr waren es 698. Bei mir im Garten brütet ein Paar dieser sympathischen Vogelart. Das ist schützenswerte biologische Vielfalt direkt vor der Haustür im naturnahen Garten“, so Rösler.

„Wenn ich mir den teils dramatischen Rückgang von Arten, insbesondere in der Agrarlandschaft, sowie den Flächenverbrauch und die Landschaftszerstörung, zum Beispiel bei der geplanten B10-Umfahrung, anschaue: Das steht in einem massiven Widerspruch zu dem immer öfter geäußerten Wunsch nach regionalen Lebensmitteln sowie zum dringend notwendigen Bedarf an konkreten Arten- und Umweltschutzmaßnahmen zur Verbesserung und nicht zur weiteren Verschlechterung bei der biologischen Vielfalt. Die Planung für diese Ortsumfahrung ist nur ein Straßenbau-Projekt von vielen in Land und Bund. Sie zeigt uns aber, dass mit der geplanten Zerstörung absolut hochwertiger Lebensräume negative Auswirkungen auf Dutzende gefährdeter Arten einhergehenden. Außerdem wird exemplarisch klar, welche Herkulesaufgabe die Trendwende zugunsten von Flora, Fauna und künftigen Generationen auch bei uns im Kreis Ludwigsburg darstellt“, betont Rösler

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